Was taugt die Beschreibung populistisch?

In Europa werden viele Parteien mit dem Begriff "rechtspopulistisch" umschrieben. Aber die Bezeichnung wird unterschiedlich verstanden. Die Medien sollten deshalb vorsichtig damit sein.

Die Hofburg in Wien, eigenes Foto
Die Hofburg in Wien, eigenes Foto

Seit dem Wahlkampf um das Bundespräsidentenamt in Österreich ist viel zu lesen vom rechtspopulistischen Kandidaten Hofer oder der rechtspopulistischen FPÖ. In Deutschland wird die AfD oft mit diesem Begriff umschrieben, in Ungarn die Fidesz-Partei mit ihrem Vorsitzenden Viktor Orbán. Auch andere Parteien bekommen in den Medien Etiketten verpasst, zum Beispiel ist von der sozialdemokratischen SPÖ die Rede. Das ist auch durchaus sinnvoll - zum Beispiel kann so eine Partei eingeordnet werden, auch wenn man sie nicht kennt. Im Fall von Rechtspopulisten führt das aber oft in die Irre.

 

Ein Begriff - mehrere Bedeutungen

 

Schon der Begriff "Populismus" an sich wird sehr unterschiedlich verwendet. Oft wird er abwertend genutzt: Ein Populist redet dem Volk nach dem Mund und bietet einfache Lösungen an. Das lässt sich auch ins Gegenteil drehen: Der Populist nimmt die Sorgen der "kleinen Leute" ernst.

 

In der Wissenschaft werden damit Parteien beschrieben, die bestimmte Kriterien erfüllen. Ein Hauptelement ist zum Beispiel, dass sie das einfache Volk in einen Gegensatz zu etablierten Parteien setzen. Die einen sind gut, ehrlich und fleißig, die anderen korrupt und schlecht. (Mehr zu den Merkmalen populistischer Parteien unter anderem hier.) Wenn man eine Checkliste mit allen Punkte rechtspopulistischer Parteien macht (Forderung nach mehr direkter Demokratie, Das Volk als Masse mit einheitlichem Willen, Ausgrenzung von anderen Gruppen...) und sie abhakt, lässt sich das Etikett verteilen - und sowohl die FPÖ als auch die AfD würden es bekommen.

 

Wenn Journalisten Parteien als populistisch beschreiben, beziehen sie sich idealerweise auf diese Merkmale. Nur: Wer kann sie aus dem Hut aufzählen? Im besten Fall bringt dann auch das Etikett "rechtspopulistisch" für viele Leser, Hörer oder Zuschauer einfach nur nichts. Im schlimmsten Fall sehen sie es als Stigma, das einer Bewegung angeheftet wird.

 

Inhalte statt Etiketten

 

Dabei lässt sich der Begriff durchaus nutzen, auch in den Medien. Es sollte nur klar werden, was damit gemeint ist. Wenn das nicht geht, lassen sich diese Parteien auch ohne den Anhang "populistisch" politisch einordnen.

 

Wenn eine Bewegung beschrieben wird, die für viele vermutlich neu ist (oder die schon lange keine große Rolle mehr gespielt hat), sollten sich Journalisten ohnehin lieber auf Inhalte konzentrieren. Wäre nur jedes zweite Mal, bei dem von der "rechtspopulistischen FPÖ" oder der "linkspopulistischen Podemos-Bewegung" die Rede war, nur eine inhaltliche Forderung präsentiert worden, dann wüssten viele besser Bescheid. Dafür ist nicht immer Platz - aber oft genug.

 

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