Vermögen in Deutschland: Wächst die Ungleichheit?

"Die Vermögen in Deutschland sind zunehmend ungleich verteilt." So meldet es die Passauer Neue Presse und beruft sich auf Zahlen des Bundessozialministeriums. Man kann aber auch das Gegenteil herauslesen.

Foto: pixabay.com, PublicDomainPictures
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Die Reichen werden immer reicher, und die Armen immer ärmer. Dieser Spruch scheint sich einmal mehr zu bestätigen. Erst vergangene Woche hat Oxfam eine Untersuchung vorgestellt, laut der die 62 reichsten Menschen der Welt genauso viel Vermögen haben die die ärmere Hälfte der Menschheit. Um diese Untersuchung hat es eine Debatte gegeben, ob die Zahlen so nun stimmen oder nicht. Aber vollkommen unabhängig davon, ob es die 62 oder 85 oder 150 reichsten Menschen sind -  es gibt viele Daten die bestätigen, dass es ein krasses Ungleichgewicht zwischen Reich und Arm gibt.

Die Zahlen, die die Passauer Neue Presse nun meldet, sollen in den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung eingehen. Auch sie scheinen diesen Trend zu bestätigen und sind in etlichen Artikeln im Netz zu lesen:

 

"Im Jahr 2013 verfügten zehn Prozent der Haushalte über 51,9 Prozent des Nettovermögens, wie die "Passauer Presse" unter Berufung auf Zahlen des Bundessozialministeriums berichtete. 15 Jahre zuvor waren es dagegen noch 45,1 Prozent. Nur über ein Prozent des Vermögens verfügten dagegen die unteren 50 Prozent der Haushalte im Jahr 2013. 1998 waren es noch 2,9 Prozent."

 

Nur wenige Medien haben sich (erstmal) die Mühe gemacht, die Zahlen zu überprüfen (darunter die Süddeutsche.) Das Ergebnis ist aber durchaus interessant, denn dann ließe sich auch schreiben: Die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland hat abgenommen.

Aus: 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
Aus: 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Aus dem 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geht hervor, dass 2008 die oberen 10% der Haushalte über 53% des Nettoprivatvermögens verfügten. Die unteren Hälfte verfügte dagegen über 1% des Vermögens.

 

Zur Erinnerung: 2013 hatten die oberen 10% zusammen 51,9% des Vermögens, die untere Hälfte nur 1%. Vergleicht man also 2008 mit 2013, dann sind die Reichen (etwas) ärmer geworden und die Armen arm geblieben.

 

In der Zeit zwischen 2008 und 2013 liegt natürlich die Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Herbst 2008 stürzen Aktien weltweit ab. Meist sind davon Vermögende besonders betroffen, weil sie oft mehr Geld in Aktien angelegt haben. 2013 hat der weltweite Aktienmarkt (gemessen am MSCI World Index) sein Vorkrisenniveau allerdings wieder erreicht.

 

Langfristig betrachtet hat die Ungleichheit durchaus zugenommen, denn die Zahlen von 1998 sind ja nicht falsch. Wer aber sagt, dass die Vermögen zunehmend ungleich verteilt sind suggeriert, dass die Entwicklung stetig in eine Richtung ging. So ist es aber nicht. Stattdessen war sie zuletzt leicht rückläufig.

 

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