Paris, Kunming oder Beirut?

Die Anschläge von Paris haben 129 Menschen das Leben gekostet, viele schweben noch in Lebensgefahr.  Trauer und Anteilnahme sind groß. "Wo war die Trauer bei den vielen Anschlägen außerhalb Europas?" fragen einige. Zu Unrecht.

Das Brandenburger Tor in Berlin wird in den Nationalfarben von Frankreich angestrahlt. Foto von Flickr.com, O. Horbacz
Das Brandenburger Tor in Berlin wird in den Nationalfarben von Frankreich angestrahlt. Foto von Flickr.com, O. Horbacz

Kunming ist eine Stadt in China. Wissen Sie noch, was dort am 1. März 2014 passiert ist? Ich musste nachschauen. An diesem Tag sind bei einem Anschlag 34 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 140 wurden verletzt. Eine Bahnhofshalle wurde gestürmt, die Menschen dort mit Messern und Macheten angegriffen.

 

Weltweit gibt es Anschläge. Nachdem aber am 13. November 2015 Terroristen an mehreren Orten in Paris zuschlugen, war die Bestürzung und Trauer in Deutschland und anderen westlichen Ländern besonders groß. Nur einen Tag vorher waren bei Anschlägen in Beirut mehr als 40 Menschen getötet worden. Der Umgang mit diesen beiden Anschlägen steht für einige im krassen Gegensatz. Trauer hier - Gleichgültigkeit da.

 

Und Kunming ist schon vergessen.

 

Davon abgesehen, dass niemand gleichgültig ist, nur weil ihn ein Ereignis Blumen niederlegen lässt und ein anderes nicht: Ich verstehe, dass ein Anschlag in einem Nachbarland, in dem man vielleicht auch schon mal Urlaub gemacht hat, einen mehr bewegt als ein Anschlag weit entfernt. Nähe ist einfach ein relevantes Kriterium wenn es darum geht, welche Bedeutung etwas für einen hat. Medien in Jordanien oder Syrien werden vermutlich intensiv über Beirut berichtet haben. Die im Libanon sowieso. Und auch in deutschen Medien tauchte das Thema auf, wenn auch bei weitem nicht so präsent.

(Nachtrag 18.11.2015: Constantin Schreiber von n-tv hat bei meedia eine Presseschau aus dem arabischen Raum zusammengestellt, die das bestätigt.)

 

Es ist wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass es auch anderswo Leid und Zerstörung gibt. Man kann Menschen aber nicht befehlen, zu Trauern. Solidarität mit Terroropfern in anderen Ländern? Ja. Aber niemand wird zum schlechten Menschen, weil er sein Profilbild nach Beirut nicht geändert hat, aber nach Paris.

 

Wer das findet, sollte sich fragen, ob er Ürümqi kennt.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0