Bitte lernen Sie die Vokabel "Hotspot"

Die EU möchte Registrierungszentren an den Außengrenzen einrichten. Sie nennt die Idee "Hotspots". Kann sie gerne. Übernehmen muss man das nicht.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben auf ihrem Gipfel eine Idee beschlossen, die immer wieder in den Debatten rund um die Themen Flüchtlinge und Migration aufgetaucht ist. Es geht darum, die Menschen schon möglichst früh abzufangen. Otto Schily wollte diese Zentren einmal in Ländern außerhalb der EU einrichten. Dort sollten Menschen so lange bleiben, bis ihr Asylantrag genehmigt wurde. Der Plan jetzt sieht etwas anders aus. Die Lager liegen in Europa, und hier sollen Asylsuchende vor allem zentral registriert werden. Dann werden sie entweder weiter- oder zurückgeschickt. "Hotspot" ist der offizielle Name dafür.


Politiker suchen immer Namen für ihre Projekte. Etwas griffiges, das nicht negativ besetzt ist. Registrierungszentrum oder Erstaufnahmezentrum zum Beispiel klingt nicht so gut. Doch genau darum handelt es sich beim Hotspot. Warum dann nicht einfach dabei bleiben?

 

Viele Journalisten tun sich durchaus schwer mit dem Begriff. Leider nutzen sie ihn dennoch. Er wird dann zum Beispiel in Anführungszeichen gesetzt. Wenn das nicht geht, zum Beispiel im Radio oder Fernsehen, wird daraus ein "so genannte Hotspots". Das Problem: Damit ist der Begriff noch nicht verständlich. Er muss erklärt werden:

 

"Bis November sollen sogenannte Hotspots eingerichtet werden, um Flüchtlinge bereits in Italien und Griechenland zu registrieren."

 


Ein halber Erklärsatz, der so gesendet wurde, aber nicht richtig funktioniert. Ohne den Anhang "also" wird der Hotspot nicht verständlich:

 

"Bis November sollen sogenannte Hotspots, also Erstaufnahmezentren, eingerichtet werden, um Flüchtlinge bereits in Italien und Griechenland zu registrieren."

 

Die Meldung wird dadurch länger, der Hörer aber nicht klüger. Stattdessen wird er mit einem neuen Wort konfrontiert, das er sich vielleicht sogar merken muss. Noch wird der Begriff erklärt, weil er neu ist. In einigen Wochen oder Monaten denken Redakteure vielleicht, dass der Begriff doch allen bekannt sei.

 

Dabei verlieren Meldungen nichts, wenn sie auf die "Hotspots" verzichten. Es sind schlicht und einfach Registrierungs- oder Erstaufnahmezentren. Das ganze Thema ist kompliziert genug. Hörer und Leser sollten nicht gezwungen werden, noch neue Vokabeln zu lernen.

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