Bilder können täuschen - auch anders, als gedacht

Eine Fotomontage macht im Internet die Runde. Zu sehen ist das gleiche Motiv, das drei unterschiedliche Sender für zwei unterschiedliche Konflikte nutzen. Echt oder Fake? Eine Spurensuche.

Zuerst war die Fotomontage vor allem im russisch-sprachigen Netz verbreitet. In Foren, auf Twitter und im Facebook-Pendant vk.com. Mittlerweile hat sie auch ins deutsche Netz gefunden. Der Vorwurf vieler User: Die Medien verwenden wieder einmal ungeprüft Fotos.

 

Das Bild zeigt angeblich Ausschnitte aus dem ukrainischen und dem russischen Fernsehen. Die jeweilige Gegenseite wird offenbar beschuldigt, hinter dem Angriff zu stecken. Das legen zumindest die zugehörigen Tweets nahe. Außerdem soll AlJazeera das Bild für den Gaza-Krieg genutzt haben. Um diese dritte Kachel geht es hier vor allem.

Der Blogger Brown Moses ist bereits der Frage nachgegangen, um was für ein Geschoss es sich handelt. Demnach wurde die Rakete von einem BM 30-Smerch abgefeuert, ein Mehrfachraketenwerfer russischer Bauart.

Fake oder Echt?

 

Eine Google-Bildersuche, die von dem Motiv und dem Bildausschnitt bei Brown Moses ausgeht, kommt zu dem Ergebnis, dass es das Motiv bereits mehr als 16tausend Mal gibt und das es erst ein paar Tage alt ist. Quellen, die das Bild vor Mitte September im Netz verwenden, finden sich nicht.

 

Ich glaube deshalb nicht, dass AlJazeera das Bild wirklich genutzt hat. Es gibt derzeit keine israelischen Luftangriffe im Gaza-Streifen, auf der AlJazeera Kachel gibt es aber eine Live-Einblendung.

Zweiter Punkt: Dieser LKW stand sicherlich nicht im Gaza-Streifen. Außerdem zeigt die Landschaft nicht den Nahen Osten. Schwer vorstellbar, dass AlJazeera das übersehen könnte.

Dritter Punkt: Die Uhrzeit auf den ersten beiden Kacheln ist überraschend identisch.

 

Vielleicht soll die Montage aber auch nur deutlich machen, wie leicht ein Bild für unterschiedliche Zwecke genutzt werden kann. Wenn, dann geht das leider an vielen Kommentaren vorbei. Die meisten sind der Meinung, die Medien hätten ihre Arbeit nicht gemacht.


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